Hydrothermale Prozesse steuern in Richtung Markt

Innovationsforum „Hydrothermale Prozesse“ stellt erfolgversprechende Modelle vor

Wasserreiche Biomasse ist der Ausgangsstoff für hydrothermale Prozesse. Diese eignen sich als Plattformtechnologie für den Einsatz in der chemischen Industrie, im Nährstoffbereich oder als Energieträger oder in der Werkstofffertigung. Verfahrensentwickler, Entsorgungsunternehmen und andere Anwender haben sich im Innovationsforum „Hydrothermale Prozesse“ zusammengefunden, um konkrete Produkte zur Marktreife zu führen.

Auf ihrem Ergebnistreffen am 15./16. Juni 2015 in Leipzig gewannen die Akteure Einblick in die enormen Möglichkeiten hydrothermaler Prozesse. Im Jahr 1913 wurde die hydrothermale Carbonisierung als schneller Weg zur Inkohlung entdeckt. Heute bietet nicht nur die HTC-Kohle Potenzial sondern vor allem die im Prozess befindlichen Nährstoffe und Chemikalien. Daher können sich hydrothermale Prozesse zu einer Schlüsseltechnologie der biobasierten Wirtschaft entwickeln, die von der Bundesregierung mit einer nationalen Forschungsstrategie verfolgt wird.

Die Teilnehmer des Innovationsforums „Hydrothermale Prozesse“, dass seit Januar 2015 vom BMBF aus dem Programm Unternehmen Region gefördert wird, haben in einem intensiven Arbeitsprozess Wertschöpfungsketten entwickelt. Das Ergebnistreffen nutzten sie nun, um Partner für Verfahrens- und Produktentwicklungen zu finden. Barbara Reddig vom DLR-Projektträger, die das Programm „Innovationsforen“ betreut, sieht den Aufbau dieser Technologieplattform vor allem als Investition in mittel- und langfristige Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

In Impulsvorträgen wurden aktuelle Forschungen über die Anwendung als Aktivkohle oder als Substitut von fossilen Kohlen in der Metallurgie vorgestellt. Große Hoffnungen setzen die Klärschlammentsorger in die HTP-Verfahren. Sie sind im Sinne einer Kreislaufwirtschaft angehalten, die Nährstoffe aus dem Klärschlamm zu recyceln. Anett Schindler von der LAV Markranstädt, dem größten sächsischen Klärschlammentsorger: „Eine hydrothermale Behandlung von Klärschlamm kann neben der gewünschten Entwässerung auch den Phosphor zurückgewinnen und zeitgleich Schadstoffe wie Pharmazeutika eliminieren.“ Die Schwermetallabtrennung sei noch in der Entwicklungsphase. „Aber auch das kann in Zukunft erfolgreich umgesetzt werden“, so die Verantwortliche für die Geschäftsfeldentwicklung bei der LAV weiter.

Neben dem Forschungs- und Entwicklungsbedarf liegen die Herausforderungen klar auf dem  rechtlichen Gebiet. Sowohl eine saubere Definition und Zertifizierung hydrothermal erzeugter Kohlen als auch ihre Qualifizierung als „Produkt“ und nicht als „Abfall“, was eine Aufnahme in spezifische Verordnungen nach sich zieht, stehen zur Debatte. Findet hier ein reger Austausch mit dem Gesetzgeber statt, rückt die Markteinführung einiger HTC-Produkte in greifbare Nähe.

Kai-Uwe Blechschmidt vom Netzwerk Energie und Umwelt e.V. in Leipzig betonte im Rahmen des Ergebnistreffens die Vorteile, die der Standort Leipzig und Mitteldeutschland für die Etablierung erfolgversprechender HTC-Konzepte bieten. Hier gibt es zahlreiche Firmen und Forschungsinstitute, die Verfahren erproben und im Fall der Stadtwerke Halle GmbH eine HTC-Demonstrationsanlage in Betrieb nehmen werden.

Diesen Kompetenzvorsprung wollen die Teilnehmer des Ergebnistreffens nutzen. Sie nahmen den Titel des Förderprogramms „Unternehmen Region“ denn auch ganz wörtlich, indem sie die Gelegenheit ergriffen, Kooperationen zu bilden und wirtschaftliche Bündnisse zu schmieden. Erste Vorschläge für konkrete Verbundprojekte wurden auf dem Ergebnistreffen skizziert, weitere Aktivitäten werden durch das DBFZ und das Netzwerk Energie und Umwelt e.V. moderiert.

Bei Interesse an einer Mitwirkung nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf.

Zurück